Namibia – Luxus der Weite

von Günter Edl


Oktober 2015

Am Reisebericht haben mitgewirkt:

Thorsten
Norbert
Hannelore und Günter
Erika



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Der Blick schweift bis zum Horizont, das Licht taucht die Landschaft in immer neue Farben, die Seele atmet auf. Die Tage werden immer mit viel Sonnenschein, wunderschönen Aussichten und unvergesslichen Erfahrungen ausgefüllt sein…

so steht es auf der offiziellen Webseite von Namibia Tourism. Das wollten wir auch erleben! Länder und Menschen, Jennen Gruppenreisen GmbH in Köln hat unser Programm zusammengestellt. Voll Vorfreude auf die kommenden Tage machen wir uns zu neunt auf den Weg.

Am Samstag, dem 3. Oktober

fahren wir, eine Gruppe von neun Personen, mit dem Zug zum Flughafen Frankfurt. Der Check-in ist schnell erledigt und um 20:45 Uhr hebt das Flugzeug der South African Airways mit uns ab. Nach fast elfstündigem Flug landen wir am

Sonntag, dem 4.

Oktober in Johannesburg. Dort haben wir vier Stunden Aufenthalt bis zum Weiterflug nach Windhoek. Um die Zeit zu überbrücken, gibt Länder und Menschen eine Runde Kaffee, Tee, Kuchen und anderen Leckereien aus. Wir erkunden noch den weitläufigen duty-free-Bereich mit vielen tollen Geschäften. Der Versuch, eine Flasche Jameson Irish Whiskey zollfrei zu kaufen, scheitert jedoch, da Südafrika und Namibia eine Wirtschaftszone bilden und Namibia daher wie Inland zu betrachten ist. Um 11:30 Uhr heben wir mit Flug SA 70 in Johannesburg ab und landen zwei Stunden später auf dem Husea Kutako International Airport in Windhoek. Die Einreiseformalitäten sind problemlos, unser Gepäck kommt zügig und dann geht es in die Ankunftshalle. Dort werden wir von Rodger, unserem Fahrer und Begleiter von SWA Safaris erwartet. Zunächst heißt es: Geld umtauschen, dann geht es zu unserem 18-sitzer MAN-Bus.

Windhoek, die Hauptstadt Namibias, ist rund 45 km vom Flughafen entfernt und liegt zwischen der Namib im Westen und der Kalahari im Osten auf einem ca. 1700 m hohen Binnenhochland.

Als erstes fällt uns – natürlich neben dem herrlichen Sonnenschein – die sehr gute Straße auf und dass links und rechts der Straße alles eingezäunt ist. Rodger sagt uns, dass Namibia das „Land der Zäune“ ist. Das hat mit den Landbesitzen zu tun, aber bis 2020 sollen 15 Millionen Hektar kommerzielles Farmland umverteilt werden. Nur öffentliche Flächen sind nicht von Zäunen umgeben. Für Tiere, besonders Paviane, bilden die Zäune aber kaum Barrieren.

Während der Fahrt gibt uns Rodger schon einen ersten Überblick über Namibia: 1885 wird das Land deutsche Kolonie – Deutsch Südwestafrika, über die Volksstämme (neun größere Bevölkerungsgruppen: 3 große Sprachgruppen mit 30 Unterformen) und Persönlichkeiten. Während der
Stadtrundfahrt zeigt er uns einige Sehenswürdigkeiten und verdeutlicht die Entwicklung der Stadt seit der Unabhängigkeit 1990.

Im Jahr 2000 lebten etwa 150.000 Menschen in Windhoek, schätzungsweise 500.000 sind es heute, rund ein Viertel des ganzen Landes (2,2 Millionen Einwohner). Diese dünne Besiedlung fällt uns immer wieder auf und wir begegnen auf unseren oft stundenlangen Fahrten nur sehr selten Menschen. In der Hauptstadt sehen wir moderne Gebäude, ein weit sichtbares Museum (das offenbar nur über Lifte, aber keine Treppen verfügt) und Monumente und Denkmäler für Persönlichkeiten und eines auch für die Kudus.

Die Straßen in der Stadt sind breit und sehr sauber. Wir spazieren durch den Park vor dem Parlamentsgebäude mit den herrlich blühenden Jakarandabäumen und farbenprächtigen Bougainvillas. Wir besichtigen (leider nur von außen) die evangelische Christuskirche und den Bahnhof. Auf dem Weg zum Safari Court Hotel fahren wir auch am großen Krankenhaus vorbei. Rodger klärt uns dabei auch über das große Problem AIDS auf.

Im Hotel angekommen freuen wir uns auf das Abendessen — ein reichhaltiges Buffet — und nach fast 36 Stunden Anreise anschließend auf das herrliche Bett.

Montag, 5. Oktober

Im Garten des Hotels lassen wir uns das Frühstück schmecken. Schon um 8 Uhr sitzen wir im Bus, um nach Katutura zu fahren.

„Diese Vorstadt von Windhoek ist historisch bekannt als eine ehemalige Township, die in den 1950er Jahren im Rahmen der südafrikanischen Apartheidpolitik entstanden ist.

Die schwarze Bevölkerung wurde hier nach Volksgruppen getrennt auf einer Fläche von 5 qkm angesiedelt. Ihr Name Katutura stammt aus der Sprache der Herero (Otjiherero) und bedeutet so viel wie „der Ort, an dem wir nicht leben möchten“. Zuvor hatten die in Windhoek arbeitenden und lebenden Schwarzen und „Farbigen“ auch direkt in Windhoek, vor allem auf der „Alten Werft“ („Old Location“, dem heutigen Stadtteil Hochland Park) gewohnt. Das Ziel der Stadtverwaltung aber war es, nach südafrikanischem Vorbild aus Windhoek eine „weiße“ Stadt zu machen und die schwarzen Familien in die Außenbezirke zu verbannen. Zwar ist Windhoek heute zwischen der Innenstadt und dem 10 km entfernten Katutura flächendeckend besiedelt, doch in den 1960er Jahren war es durch viele Kilometer Ödland von der Stadt getrennt. Hierzu wurde ein völlig neues Siedlungsgebiet mit Schulen, Krankenhäusern, Einkaufszentren und Erholungseinrichtungen aus dem Boden gestampft, um nichtberufstätigen Schwarzen keinen Anlass zu geben, das „weiße“ Windhoek zu betreten.

Die hier errichteten Einheitshäuser hatten eine Wohnfläche von 45 m² und genügten damit den bescheidenen Ansprüchen einer Familie. Verwaltungsmäßig wurde Katutura in Stammesbezirke gegliedert — getrennt nach Ovambo, Herero und Damara.

1959 begann die Zwangsumsiedlung der im Stadtgebiet wohnenden Schwarzen. Dies führte am 10. Dezember 1959 zum Aufstand bei der „Alten Werft“, an dem auch Samuel Nujoma, der erste Präsident der Republik Namibia, teilgenommen hatte und verhaftet wurde. 11 Aufständische wurden getötet, 44 verletzt. Dieses Ereignis wird im Allgemeinen als die Geburtsstunde der SWAPO angesehen. Die Zwangsumsiedlung war 1968 abgeschlossen.

Heute zählt Katutura etwa 66.000 Einwohner und wächst noch weiter. Es wird versucht, durch Ausbau einer einfachen Infrastruktur die Lebensverhältnisse dort zu verbessern. Die Bewohner Katuturas nennen ihr Wohngebiet vereinzelt auch „Matutura“, was so viel bedeutet wie „der Ort, wo wir gerne leben möchten“. Und trotz noch so mancher sozialer Unordnung geht von Katutura eine geschäftige Vibration aus, die auch ganz Windhoek ansteckt. Dies deutet zumindest langfristig auf eine positive Entwicklung des Stadtteils hin.“ (Angaben aus Wikipedia).

Kleine hübsche Häuschen, von den Minenbesitzern für ihre Arbeiter gebaut, alle von einem Gitterzaun umgeben, aber auch eine unübersehbare Menge von Blechhütten, jede ebenso eingezäunt, stehen an den breiten, sauberen, aber jetzt am Morgen fast menschenleeren Straßen. Rodger erklärt uns, wie die Straßen sauber gehalten werden: Ein Anwohner verpflichtet sich, einen bestimmten Straßenabschnitt zu betreuen und wird von der Stadt kontrolliert, aber auch entlohnt.

Unser Ziel ist ein Kindergarten, der von einer Frau — ihr Vater war ein Weißer, ihre Mutter eine schwarze Afrikanerin — geleitet wird. Zurzeit betreut sie mit zwei Lehrerinnen, die die 24 Grundschulkinder unterrichten — teils halbtags, teils ganztags 80 Kinder, für die die Eltern einen kleinen Beitrag bezahlen. Für die 20 Waisenkinder, die bei ihr leben, bekommt sie keine Unterstützung. Es gibt hier keine staatlichen, sondern nur kirchlich oder privat betriebene Kindergärten. So ist unsere Spende natürlich ein gern angenommenes Geschenk!

Nach dem Besuch des Kindergartens machen wir uns auf den Weg zur Namib Desert Lodge. Ca. 250 km liegen vor uns. Das etwa 45.000 km lange Straßennetz Namibias besteht aus rund 80 % nicht asphaltierten Pisten mit Kiestragschicht, die regelmäßig mit dem Grader instand gehalten werden. Mit bis zu 700 Verkehrstoten pro Jahr hat Namibia (bezogen auf die Einwohnerzahl) aber erstaunlicherweise die weltweit höchste Todeszahl zu verzeichnen.

Wir überqueren den Remhoogte Pass und befinden uns dann in der unendlichen Weite der Namib. Unterwegs sehen wir schon viele Oryx-Antilopen, das Wappentier Namibias, Springböcke, Affen und viele Bäume, in denen Webervögel ihre riesigen, bis zu 600 kg schweren Nester gebaut haben. Unter einem solchen Baum bleiben wir natürlich stehen, um dieses Kunstwerk zu bewundern und zu fotografieren.

Auf unseren langen Wegstrecken erzählt uns Rodger immer wieder über Namibia: Das Land ist der älteste Teil der Erdkruste. Politisch und geographisch ist es in 13 Regionen geteilt, die vom Regionalrat regiert werden. Namibia ist eine Republik. Amtssprache ist Englisch (von 1884 – 1915 war es Deutsch), Afrikaans und Stammesdialekte werden gefördert. Jeder Namibier spricht daher mindestens zwei und mehr Sprachen. Das Land lebt von Bergbau, Fischfang, Landwirtschaft und in immer größerem Maße vom Tourismus. Die Arbeitslosigkeit beträgt ca. 28 %. Es gibt eine sehr ungleiche Einkommensverteilung, daher kommt es auch zu Streitigkeiten unter den einzelnen Stämmen.

Gegen 17 Uhr erreichen wir die Namib Desert Lodge. Wir beziehen nette kleine Häuschen in gepflegter Umgebung. In der Anlage gibt es zwei Pools, die wir sofort nutzen. Hinter dem Zaun grasen völlig unbeeindruckt von dem touristischen Trubel einige Oryx-Antilopen. Abendessen gibt es bei sommerlicher Temperatur unter freiem Himmel.

Dienstag, 6. Oktober

Schon um 5 Uhr früh heißt es heute aufstehen. Nach einer Tasse Kaffee fahren wir vor 6 Uhr los. Da es noch dunkel ist, können wir schwach am Sternenhimmel das „Kreuz des Südens“ entdecken. 70 km liegen vor uns, Rodger will möglichst der Erste am Gate zur Sossusvlei, einem riesigen Dünengebiet der Namib, sein.

Die Namib gilt als älteste Wüste der Erde. Sie erstreckt sich über eine Fläche von fast 100 000 qkm entlang der Westküste Namibias und gehört wie die Kalahari zu den sogenannten Wendekreiswüsten, verdankt aber ihre Entstehung und ihre extreme Trockenheit auch dem kalten Benguela-Strom, der an der Westküste entlang nach Norden zieht (Küstenwüste).

Wir bestaunen das wechselnde Farbenspiel, das durch die aufgehende Sonne an den Bergen und vor allem an den Dünen, die in unterschiedlichen Rottönen nun erstrahlen, erzeugt wird. Beim Morgengrauen um 6:30 Uhr sind wir das vierte Fahrzeug vor dem Gate. Ein dringender Toilettenbesuch zwingt uns jedoch, die Autoschlange zu verlassen und zur nahe gelegenen Tankstelle zu fahren.

Zurück zum Gate können wir uns einfädeln, etliche Autos sind vor uns — aber dann gibt Rodger Gas, überholt ein Fahrzeug nach dem anderen und nach kurzer Zeit sind wir die Ersten.

Vor uns tut sich eine atemberaubende Landschaft auf — die Dünen, die ältesten und höchsten der Welt. Durch die aufgehende Sonne werden sie in wunderbares Licht getaucht — wir fahren Kilometer um Kilometer — immer wieder neue Formationen in Licht und Schatten! Die berühmteste Düne ist die mit der Nummer 45 = 45 km von der Einfahrt entfernt. Unzählige Menschen besteigen sie täglich. Die höchste Düne („Big Dady“) ist 300 m hoch.

Unser Ziel ist ein Parkplatz. Bis hierher war die Straße gut befestigt. Für die weiteren unbefestigten Strecken zu den Dünen sind nur Allrad-Fahrzeuge erlaubt; so steigen wir auf einen offenen Geländewagen um. Kurz nachdem wir losfahren, plagt sich vor uns ein voll besetzter Toyota-Personenwagen durch den Sand und gräbt sich immer tiefer ein. Rodger kommt dem Fahrer zu Hilfe, übernimmt das Steuer, fährt sachte aus dem tiefen Sand und erläutert dem Fahrer freundlicherweise, wie man in so einer Situation fahren muss. Neben dem Fahrer saß eine hübsche junge Frau und wir lästerten, Rodger würde lieber mit dieser Dame weiter fahren. Aber er winkt ab: Die Schwiegereltern waren mit dabei! Es geht nun weiter in die Dünenlandschaft. Unter einer riesigen Akazie halten wir unsere Frühstückspause, beobachtet von einer Eule aus dem Nachbarbaum. Frisch gestärkt machen wir uns auf den Weg, um eine Düne zu besteigen.

Während einige nur ein kleines Stück mitgehen, stapfen die anderen durch den Sand auf einem zwei Fuß breiten Pfad am Kamm die Düne hinauf. Von oben haben wir einen herrlichen Rundblick über die Dünen- und Trockenflächen der Sossusvlei. Unterwegs sehen wir an den Tierspuren im Sand, dass die Wüste lebt. Nach dem schnellen und steilen Abstieg über die Flanken der Düne, bei dem wir tief in den Sand einsinken, holt uns kurz vor 10 Uhr unser Wüstenfahrzeug wieder ab und es geht zurück zu unserem Bus und dann nach einem kurzen Fotostopp an der Düne 45 zum Gate.

In der nahe gelegenen und wunderschönen Sossusvlei Lodge legen wir unsere Mittagspause ein. Dann starten wir wieder zum ca. 10 km entfernten Sesriem Canyon. Wir steigen in den Canyon ein und kommen mit einer Menge grandioser Eindrücke und Fotos zurück.

Nach der Rückkehr in die Namib Desert Lodge und einer kleinen Pause machen wir gegen 16 Uhr im offenen Jeep der Lodge eine Rundfahrt in der traumhaften Landschaft und bestaunen die versteinerten Dünen. Oryx-Antilopen und Strauße kreuzen unsere Wege. Pünktlich zum Sonnenuntergang sind wir auf einer Anhöhe und können beobachten, wie die untergehende Sonne den Himmel in einem herrlichen Farbenspiel verfärbt. Unsere Fahrer (wir sind noch mit anderen Gästen der Lodge hier) laden uns zum Sundowner bei Gin und Tonic, anderen Getränken und Knabbergebäck ein. Wir genießen die Atmosphäre, den besonderen Ausblick und den Sonnenuntergang.

Nach dem Abendessen lassen wir den Tag mit Jameson Irish Whiskey ausklingen.

Mittwoch, 7. Oktober

Nach dem Frühstück starten wir kurz nach 8 Uhr in Richtung Swakopmund. Gut 300 km sind heute zu bewältigen. Die Straße C14 führt nach Norden durch die endlose Wüste, in der Ferne sehen wir Bergketten. Solitär liegt hinter uns, die Straße wird steiler und führt uns über den Gaub-Pass. Dann taucht ein großes Schild „Tropic of Capricorn“ auf. Es weist auf den südlichen Wendekreis hin, der des Steinbocks. Wir halten an und anhand eines Apfels erklärt uns Norbert die astronomische Bedeutung des Wendekreises. Wir fahren weiter vorbei an endloser Sand- und Gesteinswüste und kommen zum Kuiseb Pass. An einem Aussichtspunkt zeigt uns Rodger die Henno Martin Höhle. Dort und in dieser Gegend versteckten sich der Geologe Henno Martin und sein Freund Hermann Korn 1940 zweieinhalb Jahre lang. Sie befürchteten im Zweiten Weltkrieg — wie auch andere Deutsche in Südwestafrika — als feindliche Ausländer verhaftet und interniert zu werden.

Henno Martin schildert seine Zeit in der Wüste in seinem Buch „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“.

Nach einer zwanzigminütiger Fahrt kommen wir zum Eastern Carpcliff Viewpoint. Wir gehen eine kleine Anhöhe hinauf. Unser Blick schweift über ein weites Gebiet, deren Felsen aus Glitterschiefer bestehen. Die schräg liegenden Gesteinsformationen sind vor Millionen von Jahren durch die Verschiebungen der Kontinentalplatten entstanden.

Wir verlassen die Hauptstraße C14 und fahren durch flaches und sandiges Gelände. Vereinzelt gibt es Bäume, Gräser und Sträucher. Ein Schild „Permit Required“ weist darauf hin, dass für diese Strecke eine Erlaubnis erforderlich ist. Rodger hat alles, aber es ist weit und breit niemand zu sehen. Vorbei an Ganab geht es zur Straußenhöhe (Volstruis hoogte) und unterwegs sehen wir auch einige Strauße. Die Straußenhöhe besteht aus einer Ansammlung größerer und kleinerer Gesteinsbrocken. Rodger erklärt uns, dass diese Steine, wenn man mit einem anderen Stein darauf klopft, durch den Eisen-Mangan-Überzug (Wüstenlack) metallisch klingen. Wir überzeugen uns davon und mit etwas Geduld könnte man auch ein Lied darauf spielen. Aber es geht weiter nach Hotsas zu einem Wasserloch. Von einem Unterstand aus kann man hier Tiere beobachten. Leider lassen sich nur Vogel Strauße und Geier blicken. Es ist drückend heiß, gefühlte 45 Grad, und wir freuen uns, dass wir mit dem Unterstand für unser Picknick etwas Schatten haben. Ein anderer Bus kommt ebenfalls hierher. Diese Gruppe hatte für ihre Mittagspause dieselbe Idee wie wir. Enttäuscht, dass der Platz bereits belegt ist, fahren sie, nachdem sie einige Fotos von der Wasserstelle gemacht hatten, wieder weg.

Wir kommen zur Hauptstraße C28, die nach Swakopmund führt, und biegen nach etwa 45 km nach Norden ab. Wir erreichen ein Gebiet, in dem, nur hier in der Namib, die Welwitschia mirabilis wächst. Bei einer Forschungsreise entdeckte der österreichische Arzt und Botaniker Friedrich Welwitsch diese nie zuvor in der Literatur erwähnte Pflanze im Jahre 1859 in Angola. Der Artname „mirabilis“ heißt so viel wie „wunderbar“, da die wahrscheinlich 1.500 Jahre alte Pflanze, deren Wurzeln bis zu 3 m tief in der Erde stecken und in einem Radius von Metern sich ausbreiten, so gut wie ohne Wasser überlebt. Ihr reicht der Nebel aus, der sich an den zwei einzigen Laubblättern, die aber oft am Ende einreißen und so eine Vielzahl von Blättern vortäuschen, niederschlägt. Die Welwitschia kommt als männliche und weibliche Pflanze vor.

Weiter geht es zur riesigen Mondlandschaft — der Anblick ist faszinierend. Kilometerweit nur zerklüftetes Gestein. An kleinen Gesteinsbrocken zeigt uns Rodger Flechten – nach einer „Dusche“ aus einer Wasserflasche werden sie wunderbarer Weise aus dem Dornröschenschlaf erweckt. Noch etwas weiter nördlich von hier liegt die Rössing Mine, einer der weltweit größten Tagebaue für Uran.

Über einen kurzen Umweg steil bergab bringt uns Rodger zu einem kleinen Oasen-Restaurant, Goanikontges-Oasis, das von Nachfahren Deutscher Einwanderer geführt wird. Hier erfrischen wir uns mit kühlen Getränken und unterhalten uns mit der Inhaberin.

Die letzten 15 km fahren wir auf einer breiten Asphaltstraße nach Swakopmund. Das Klima an der Atlantikküste wird durch den kalten Benguelastrom bestimmt. Dieser kühlt den vorherrschenden Südwestwind stark ab, was infolge von einer niedrigen Kondensation die Bildung von (Regen-)Wolken verhindert, aber regelmäßig einen dichten anhaltenden Nebel in Bodennähe erzeugt, der sich weit in das Land hinein ausdehnt und Gräser wachsen lässt. Es ist nach den heißen Wüstentagen richtig kalt! Nach einer Stadtrundfahrt bringt uns Rodger ins Hotel Europa Hof.

Den Spätnachmittag haben wir zur freien Verfügung, sodass wir Swakopmund zu Fuß erkunden können. Die Stadt, durch die deutschen Kolonialherren entstanden, kann auch heute noch ihre deutsche Vergangenheit in Straßen- oder Gebäudenamen nicht verleugnen. Außerdem sprechen noch sehr viele Menschen deutsch. Ein Bummel zum Atlantik gehört zur Stadtbesichtigung, zumal die alte, stählerne Landungsbrücke Jetty aus dem Jahr 1912 an die deutsche Kolonialzeit erinnert.

Donnerstag, 8. Oktober

Zwei Ausflugspakete lokaler Anbieter stehen heute auf dem Programm: eine Katamaranfahrt auf dem Atlantik und der Besuch der Township Mondesa. Am Morgen werden wir beim Hotel abgeholt und wir fahren ca. 31 km mit einem Kleinbus der „Catamaran Charters“ nach Walvis Bay. Bei leider nebligem Wetter und nur 8 bis 15 Grad, machen wir auf einem Katamaran eine Fahrt zu einer Robbeninsel und können lange diese putzigen Tiere beobachten.

Die Delphine, die eigentlich auch zu sehen sein sollten, halten sich vornehm zurück und nur ab und zu erblicken wir ein paar Flossen. Auf dem Katamaran begleiten uns eine ziemlich zahme Robbe und vier aufdringliche Pelikane. Eine junge Dame erzählt uns viel Wissenswertes über die Tiere. Wir haben nicht nur unter dem Kiel Wasser, auch auf Deck ist es keineswegs „trocken“ — es wird uns Kaffee gereicht, dann Likör und Saft und nach ungefähr zwei Stunden Bootsfahrt sitzen wir bei leckeren Austern, Häppchen und Calamaris unter Deck und genießen dazu den großzügig angebotenen Sekt.

Gegen 14 Uhr kommen wir wieder ins Hotel zurück — für 15 Uhr steht die nächste Fahrt auf dem Programm. Es geht in die Township. Hier wohnen, vor den Toren Swakopmunds, ungefähr 27.000 Menschen; viele in kleinen hübschen Häuschen. Die Straße durch die Township „Mondesa“ ist breit und sandig, aber sauber.

Wir besuchen zuerst Mama Gloria, eine Herero-Frau, die einen Kindergarten unterhält. Majestätisch steht sie vor ihrem Haus und gibt jedem von uns hoheitsvoll die Hand. Das Schönheitsbild der Herero-Frauen ist, sehr vollschlank zu sein. Dann braucht sie unter ihrem traditionellem Kleid (hochgeschlossen, bis zum Boden reichend, mit viel Stoff und langen Ärmeln) nicht so viele Unterröcke. Dazu gehört eine weit auslandende, kunstvoll gefaltete Kopfbedeckung. Wir erfahren ein bisschen über die Hereros und ihr Leben: Die Familiengründung ist eine Angelegenheit des Stammes. Der Bruder der Mutter ist der „Vorstand“. Herero-Männer können bis zu 4 Frauen haben, wobei die erste Frau die weiteren auswählt. Jede Frau hat ihre eigene Hütte und Aufgaben.

Dann geht es weiter zu einer „Kräuterfrau“ vom Stamm der Nama. Sie spricht kein Englisch. Unser Begleiter und Busfahrer Nico übersetzt und erklärt, welche Rinden, Gräser, Wurzeln oder Sonstiges sich in den kleinen Gläsern befinden, die von verschiedenen Krankheiten heilen sollen. Die Gläschen wandern von einer Hand zur anderen. Dazu gibt Nico uns noch eine Kostprobe von den vier Klicklauten in der Namasprache. Ein anderer Klicklaut kann dem Wort eine andere Bedeutung geben. Der Besuch hier ist ansonsten eine ziemlich öde Angelegenheit. Wir machen einen kurzen Abstecher zur Democratic Resettlement Community (DRC), die an die Township angrenzt. In diesem Areal werden Leute angesiedelt, die in der Hoffnung auf Arbeit nach Swakopmund kommen, jedoch noch keine Wohnung haben. Der Aufenthalt hier sollte nur vorübergehend sein, trotzdem wächst die Siedlung. Aus Holz, Blech, Pappe, Plastik entstehen unkontrolliert Behausungen, ein Bild, das eher an Slums erinnert.

Die Tour durch die Township geht weiter zu einer Schule bzw. so etwas wie Nachmittagsbetreuung und Nachhilfe für schwache Schüler, in der auch zwei junge Mädchen aus Deutschland freiwilligen Dienst leisten. Wir erfahren, dass das Gebäude einer Privatperson gehört, die sich vor Ort von einer anderen Person vertreten lässt. Zum Schluss werden wir um Geld sozusagen angebettelt. Wir weisen darauf hin, dass wir für die Fahrt der Agentur bezahlen und diese die Schule unterstützen muss, was nicht besonders zustimmend von dem deutschen Mädchen aufgenommen wird. Der Fahrer bringt uns noch zu einer Bar – hier könnten wir etwas trinken und auch tanzen. Mit uns machen drei Niederländer diese Tour mit. Sie hatten bei der Buchung angegeben, dass sie um 17 Uhr wieder im Hotel sein müssten. Diese Zeit war längst überschritten und sie drängten darauf ins Hotel zurückgefahren zu werden. Auch wir hatten keine Lust mehr auf einen Aufenthalt in der Bar und den weiteren Programmpunkt, ein Essen lokaler Gerichte. So schlossen wir uns den Holländern an und ließen uns zum Hotel zurück bringen.

Zum Abendessen spazieren wir zum „Brauhaus“, einem deutschen Lokal mit typisch deutschem Essen. Es ist ausgezeichnet zubereitet. Einige probieren den besonders gut schmeckenden „Klingklip Fisch“ und wir löschen unseren Durst mit einheimischem Lagerbier. Beeindruckend ist die Dekoration des Brauhauses, in der man neben Flaggen aller deutschen Bundesländer auch die in Deutschland verbotene Reichskriegsflagge findet. Ein Zeichen für einen hier weit verbreiteten „anderen“ Umgang mit der Deutschen Vergangenheit, der etwas nachdenklich macht.

Zum Abschluss des Tages prosten wir uns mit einem Jameson Whiskey zu.

Freitag, 9. Oktober

Nach dem Frühstück brechen wir um halb acht Uhr morgens auf. Unser nächstes Ziel ist das Damaraland, im Nordwesten von Namibia gelegen.

Die Straße C34 führt entlang des Atlantischen Ozeans nach Norden. Linker Hand das Meer, auf der anderen Seite nur unendliche Kieswüste. Dieser Küstenabschnitt ist beliebt bei Urlaubern zum Campen, Surfen, Baden, Fischen und ist mit Hinweistafeln gut gekennzeichnet. Ein vor Jahren gestrandetes großes Fischerboot, das „Zeila Wrack“, ist natürlich ein willkommenes Fotomotiv. Wenige Kilometer weiter erreichen wir das Städtchen Henties Bay. Der ursprüngliche Ferienort ist nur 70 km von Swakopmund entfernt und hat sich zu einem beliebten Wohnort mit ca. 5.000 Einwohnern entwickelt.

Wir verlassen die C34 und biegen in nordöstlicher Richtung ab auf die C35 nach Uis. Im Westen können wir in der Ferne bereits das Massiv des Brandberges erkennen. Mit 2.579 m ist dies die höchste Erhebung Namibias. Bei diesem Bergmassiv werden Halbedelsteine gefunden. An der Straße werden sie in verschiedenen Größen an Verkaufsständen von Händlerinnen angeboten. Wir kommen nach Uis, eine Siedlung, die für die Arbeiter der nahe gelegenen Zinn- und Wolframmine erbaut wurde. Der Name Uis bedeutet „bittere Quelle“. In ihrer Blütezeit war dort die größte Zinnmine der Welt. Durch fallende Weltmarktpreise wurde sie aber schon vor Jahren unrentabel und folglich stillgelegt. An der Tankstelle in Uis halten wir kurz und freuen uns über die sauberen Toiletten.

Weiter geht es auf einer schmalen Buschstraße zum Brandberg. Wir halten bei einem mächtigen Felsen, rund wie eine Kugel und in der Mitte durch Frostsprengung gespalten, ein schönes Fotomotiv. Eine viertel Stunde später erreichen wir die hübsche, am Fuß des Berges liegende „White Lady Lodge“ (so heißt ein Felsenmassiv), wo wir zu Mittag essen. Nach der Pause fahren wir zurück zur Hauptstraße und weiter ins Damaraland. Wir wollen ja auch noch die Wüstenelefanten erleben, die es hier geben soll, aber sie zeigen sich leider nicht.

Nach etwa eineinhalb Stunden kommen wir zum ausgetrockneten Ugab-Flußbett. Ein Schild weist uns auf das Sorris Sorris Naturschutzgebiet hin. Wir halten noch weit vor der schmalen Brücke am rechten Straßenrand, wo sich am unteren Hang eines Hügels eine lange Reihe von Verkaufsständen befindet. Herero-Frauen bieten hier selbstgemachte Souvenirs an: Herero-Püppchen, Armbänder, Kissen und Kissenüberzüge, Windspiele und vieles mehr. Die netten Handarbeiten werden genau angesehen, einiges auch gekauft und die hübsch gekleideten Herero-Frauen lassen sich gerne fotografieren.

Diese Verkaufsstände der Herero-Frauen sind ein beliebter Anlaufpunkt für die Touristen, natürlich auch für den Bus von Rotel Tours, einer besonderen Form, ein Land kennen zu lernen. Wir begegnen diesem „rollenden Hotel“ später wieder bei Twyfelfontain und im Etosha Nationalpark.

Wir fahren weiter zur Damara Mopane Lodge, wo wir zwei Nächte verbringen werden. Mit einem kühlen Willkommensdrink werden wir empfangen, genießen die Dusche in der hübschen Unterkunft und sitzen gemütlich beim Abendessen beisammen.

Samstag, 10. Oktober

Nach einem ausgiebigen Frühstück sind wir wieder unterwegs. Nach einer Stunde kommen wir bei dem westlich von Khorixas gelegenen „Nationalen Erbe“, den versteinerten fossilen Bäumen, an. 1946 entdeckt, wird ihr Alter auf 270 Millionen Jahre geschätzt. Eine Damara-Frau führt uns durch dieses Gebiet und erklärt uns, auch verbunden mit Kostproben ihrer Sprache mit Klicklauten, die Entstehung des “Versteinerten Waldes“. Die bis zu 30 Meter langen Baumstämme sind von urzeitlichen Fluten angeschwemmt worden und im Laufe der Jahrmillionen ersteinert.

Es geht weiter zur Twyfelfontein Country Lodge, wo wir zu Mittag essen. Die Lodge fügt sich geschickt in die Felsenlandschaft ein. Auch der Rotel-Bus steht auf dem Parkplatz. Wir stärken uns beim Buffet und genießen ein kühles Bier. Nicht weit von hier befinden sich die Felsgravuren der Buschmänner – einige davon sind bereits beim Eingang zur Lodge zu betrachten, sowie der „Verbrannte Berg“ und die „Orgelpfeifen“.

Nach 20 Minuten Fahrt durch das trockene Damara-Bergland sind wir beim Eingang zu den Twyfelfontein Felsgravuren. Sie sind als UNESCO Weltkulturerbe anerkannt.

Rund 2500 Felszeichnungen und Gravuren befinden sich hier, die bis zu 10.000 Jahre alt sind und von den Buschmännern hinterlassen wurden. Bei einer geführten Wanderung, die mit einigem Klettern in der Felslandschaft verbunden ist, können wir die gut erhaltenen Tierzeichnungen bewundern.

Anschließend geht es zum 10 km entfernten „Verbrannten Berg“, ein Berg aus erkaltetem Lavastrom. Der 80 Millionen Jahre alte Lavastrom, der durch Hitze- und Druckmetamorphose entstand, bildet in der Abenddämmerung mit seiner rotbraun-violetten Farbe einen großen Kontrast zu dem 200 Millionen Jahre alten beigefarbenen Umgebungsgestein aus Karoo-Schiefer. Der Verbrannte Berg überragt seine Umgebung um etwa 200 Meter und ist ein Nationales Denkmal.

Wir fahren weiter zu den in der Nähe befindlichen sogenannten Orgelpfeifen. Sie entstanden vor ca. 150 Millionen Jahren durch das Eindringen flüssiger Lava in eine Schiefergesteinsformation, die im Laufe der Zeit durch Erosion freigelegt wurde.

Auf dem Weg zurück zur unserer Damara Mopane Lodge können wir noch einen wunderschönen Sonnenuntergang beobachten.

Sonntag, 11. Oktober

Wir machen es heute Morgen ein bisschen gemütlich und fahren erst um 9 Uhr los auf der C35 in Richtung Kamanjab. Dort biegen wir ab auf die C40 in Richtung Outjo. Ziel des heutigen Tages ist der Etosha Nationalpark.

Nach ungefähr einer Stunde Fahrt, kurz nach Kamanjab, besuchen wir die Otjikandero Himba Orphan Village, ein „lebendiges Museum“, das zugleich ein Waisendorf der Himba ist.

Hier leben viele Kinder, die von anderen Familien mitbetreut werden. Wir bekommen einen kleinen Einblick in das Leben und die Tradition dieses Stammes.

Die Frauen tragen nur einen Lendenschurz und Schmuck an den Armen und Beinen und um den Hals. Die Haare sind kunstvoll geflochten und ganz dick mit einer ockerfarbenen Paste aus Butterfett eingeschmiert. Die Zöpfe, mit Kunsthaar verlängert, legen sich wie ein Umhang um die Schultern. Oben auf dem Kopf tragen sie ein „Fellkrönchen“, das bei Trauer, Geburt eines Kindes und anderen Anlässen abgenommen wird. Auch der Körper ist mit Butterfett, das mit rötlichem, ganz feinem Gesteinsmehl aus Roteisenstein vermischt ist, eingerieben, sodass er kräftig rost-braun glänzt. Je röter der Körper gefärbt ist, desto höher ist der „Wert“ der Frau („sie kann sich die viele Farbe leisten“). Wir kaufen auch ein paar von den hübschen handgefertigten Schmuckstücken und schauen uns noch in der Schule um. Lichtspender in diesem fensterlosen „Haus“ ist eine Plastikwasserflasche, die im Wellblechdach steckt. Wir studieren noch die Unterrichtsbehelfe an den Wänden und fahren dann weiter. Zum Mittagessen sind wir im „Farm House Restaurant and Beer Garden“ in Outjo.

Einen Zwischenstopp zum Fotografieren legen wir bei einem Feld mit vielen riesigen Termitenbauten ein.

Am Nachmittag erreichen wir das Etosha Safari Camp. Wir sind in hübschen Bungalows untergebracht, die auf einem kleinen Hügel verteilt stehen. Einige von uns tauchen noch in den Swimming-Pool. Auf dem Weg zum Pool steht plötzlich vor Susi und Erika eine große Giraffe. Erst als sie den Kopf bewegt, wissen sie: die ist „echt“. Von Thorsten’s und Christina’s Bungalow aus beobachten wir den Sonnenuntergang. Susi hat Getränke organisiert und so genießen wir vor dem abendlichen Buffet noch einen Sundowner. Anschließend gibt es Life-Music im kleinen Innenhof des Restaurants.

Montag, 12. Oktober

Früh aufstehen ist wieder angesagt, dafür werden wir mit einem herrlichen Sonnenaufgang belohnt. Bereits kurz nach 6 Uhr fahren wir los zum Etosha Nationalpark. Schon nach einer viertel Stunde sind wir am Andersson’s Gate, aber es wird erst um viertel vor sieben Uhr geöffnet. So kommen wir noch in den Genuss der allmorgendlichen Fahnenzeremonie am Eingang des Parks. Die Formalitäten dauern eine Weile, aber dann geht es richtig los.

Der Etosha Nationalpark ist mit einer Größe von fast 23.000 qkm und einer Kombination von Savanne und Bushwäldern einer der größten Nationalparks in Afrika. Im Ganzen findet man hier 114 Arten von Säugetieren, auch das seltene Spitzmaul-Nashorn und Schwarznasen-Impala. Etosha’s Elefanten, so sagt man, sind die größten in Afrika, und die massivsten haben eine Schulterhöhe von bis zu vier Metern. Andere Säugetiere, die man im Park finden kann: Gnus, Zebras, Hyänen und Löwen. Geparden und Leoparden machen das Trio der „Großen Katzen“ komplett. Etwa 300 Vogelarten bevölkern den Park, inklusive des europäischen Bienenfressers und verschiedene Arten von Watvögel (aus www.etosha.de).

Bis zum Frühstück, das wir gegen 8.30 Uhr am Wasserloch des Okaukuejo Rastlagers einnehmen, sehen wir während der Fahrt schon Elefanten, Nashörner, Zebras, Springböcke und Giraffen. Am Wasserloch beobachten wir eine Menge Antilopen, Zebras, Hyänen, Löffelhunde und Gnus. Die Reihenfolge am Wasserloch wird von allen Tieren eingehalten: Zuerst die stärkeren, dann die kleineren und schwächeren Tiere. Während der Weiterfahrt im Park sehen wir auch einen Leoparden und einen Löwen.

Zum Mittagessen sind wir in der sich mitten im Park befindlichen Halali Lodge. Rodger hatte schon am Abend vorher empfohlen, die Schwimmsachen mitzunehmen und fast alle folgten seinem Rat. Während sich einige unserer Gruppe nach dem Mittagsbuffet im Pool abkühlen, treffen sich Norbert, Günter und Hannelore beim Wasserloch der Lodge. Aber dort sind keine Tiere zu sehen. Rodger schlägt vor, zu einem anderen Wasserloch, etwa 10 km von der Lodge entfernt, zu fahren. Wir haben Glück. Zu unserer Freude sehen wir hier eine sehr große Herde von Elefanten — mindestens 50 Tiere, davon sicherlich 20 ganz kleine und junge Elefantenkinder. Selbst Rodger ist begeistert.

Die Gruppe wartet schon auf uns — die Beobachtung der Elefanten ist zu schön gewesen, um von dort schneller wegzufahren. Gemeinsam geht es wieder durch den Park und wir können weiterhin die vielfältige Tierwelt bewundern und fotografieren. Wir sind bereits auf dem Weg zurück zum Gate und sehen noch einen etwas weiter entfernt liegenden Löwen. Mit einem guten Tele wird er festgehalten. Da bekommt Rodger den Tipp, dass eine Löwin eine Antilope gerissen hat. So fahren wir 10 Minuten weiter zu der angegebenen Stelle. Im Schatten, an der Wand einer Pumpstation, liegt die Löwin, das Maul noch blutig rot und anscheinend satt. Denn nicht weit von ihr bedienen sich zwei Schakale an den Resten.

Beim Wegfahren passiert dann, was im Park nicht – und sicherlich nicht in der Nähe eines Raubtieres – passieren sollte: Beim Wenden überfährt Rodger einen scharfen Stein und gleich beide rechten Hinterreifen bekommen einen Platten. Übers Handy ruft Rodger ein anderes Fahrzeug zu uns. Der Bus schirmt die Sicht zur Löwin ab und die beiden Fahrer können wenigstens einen Reifen wechseln. Ganz langsam geht es zum Okaukuejo Rastlager zurück, wo Rodger den Reifen richtig aufpumpen kann. Erst gegen 20 Uhr sind wir beim Eingang des Parks — eigentlich hätten wir schon um 18 Uhr aus dem Park sein müssen. Normalerweise ist so ein Verstoß sehr teuer, aber erstens kennt Rodger fast alle Leute, die an einer wichtigen Stelle sitzen, und zweitens hat er Bescheid von unserer Panne gegeben. So kommen wir ohne Strafe aus dem Park und Thorsten hat noch das Vergnügen, den Bus einige Meter aus dem Park fahren zu dürfen. Allerdings haben wir vor dem Abendessen nun keine Zeit mehr zum Duschen — aber es schmeckt allen trotzdem sehr gut!

Dienstag, 13. Oktober

Heute geht es noch einmal durch den Park, auch entlang der Etosha-Pfanne, eine Lehmpfanne mit Salzgehalt. Sie weist eine weiße und grünliche Oberfläche auf und hat eine maximale Länge von 120 Kilometern und eine maximale Breite von 55 Kilometern. Die riesige trockene Ebene ist sogar aus dem Weltall sichtbar. Wenn es einmal regnet, verwandelt sie sich für kurze Zeit in ein blühendes Blumenmeer. Die Senke entstand durch tektonische Aktivitäten vor 2 – 4 Mio. Jahren. Vor 4 – 10 Mio. Jahren sammelte sich dort Wasser und bildete durch verschiedene Zuflüsse, die heute jedoch nicht mehr nachweisbar sind, einen Binnensee. Durch Änderung der Flussläufe trocknete der See aus und hinterließ die heutige Kalk- und Salzpfanne (aus Wikipedia).

Wieder können wir viele Tiere beobachten. An einer kleinen Wasserstelle sehen wir einen prächtigen Löwen trinken. In respektvoller Entfernung stehen Antilopen, Springböcke, Vogel Strauße und viele andere Tiere und warten, bis der Löwe genug hat. Rodger weiß, dass der Löwe sich ein schattiges Plätzchen suchen wird — aber einzig eine Betonröhre, die als Wasserdurchlass unter der Straße liegt, könnte dem Löwen Schatten bieten. Also fährt Rodger los und platziert den Bus direkt auf dieser „Brücke“. Wir müssen nicht lange warten, da trottet der Löwe direkt auf diese Stelle zu und wir haben ihn wunderbar vor den Kameras. Die anderen Autos, die erst von der Wasserstelle wegfahren, als der Löwe aufsteht, kommen ein bisschen zu spät – zumal wir ja den Logenplatz haben! Nachdem der Löwe genug vom Klicken der Kameras hat, verzieht er sich langsam in die Betonröhre.

Wir sind glücklich, dass wir in dem Stückchen Paradies diese unberührte Natur erleben können. Dass wir auch einen toten Elefanten sehen (viele Elefanten sterben an Milzbrand), über den sich schon die Geier gestürzt haben, um sich satt zu fressen, macht uns ein bisschen traurig — aber auch das ist der Lauf der Natur.

Beim Namutoni Camp legen wir eine Pause ein. Namutoni wurde 1897 ursprünglich als ein Kontrollpunkt während der Rinderpest-Epidemie errichtet. Zwischen 1902 und 1903 wurde die Festung von der deutschen Schutztruppe erbaut und 1906 wieder aufgebaut, nachdem das Gebäude zuvor von den Oyambo zerstört worden war. Das Fort diente als Polizeiposten und später als ein südafrikanischer Militärstützpunkt. 1950 wurde Fort Namutoni zum Nationalmonument ernannt und 1957 die Türen für die Öffentlichkeit geöffnet. Eine Gedenktafel erinnert an die deutsche Vergangenheit: „Am 28. Januar 1904 überfielen 500 Ovambo die Station Namutoni. Sieben tapfere Reiter schlugen den Angriff siegreich ab. Ehre ihre Namen: …“

Wir verlassen den Etosha-Nationalpark beim östlichen Lindequist Gate. Hier müssen wir, wie schon am Vortag, über einen Desinfektionsteppich gehen. Auch das Auto wird desinfiziert, um keine Krankheitskeime nach außen zu bringen. Nach 25 km Fahrt erreichen wir unser nächstes Quartier, die Sachsenheim Gästefarm. Wir beziehen die hübschen Bungalows, erfrischen uns noch im Swimming-Pool und genießen das leckere Abendessen und einen Schlummertrunk vor unserem Häuschen.

Mittwoch, 14. Oktober

Ein kurzer Schreck in der Morgenstunde: aus dem Wasserhahn kommt kein Tröpfchen. Offensichtlich waren wir zu zeitig auf, denn ein bisschen später können wir unsere Morgentoilette erledigen.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Tsumeb, bei einer ehemaligen Kupfermine gelegen, wo wir die St. Francis Primary School besuchen. Rodger setzt uns bei der Schule ab und fährt in die Stadt, um einen Reservereifen zu besorgen – für den Notfall.

Der Direktor der Schule, Max Johnson, führt uns durch ein paar Klassenzimmer, wo uns die Schülerinnen und Schüler freundlich begrüßen. Wir erhalten einen Einblick in den Schulalltag und staunen über die Klassengrößen, z.T. über 40 Kinder. In der Pause umlagern sie uns, alle wollen uns umarmen und drücken. Die mitgebrachten Hefte, Mal- und Bleistifte und eine Spende nimmt der Direktor mit Freude und Dank entgegen.

Wir besuchen auch ein angeschlossenes Sozialprojekt, das von Schwestern betreut wird. Eine Schwester aus Liechtenstein, Schwester Leoni Hasler, 76 Jahre alt, organisiert gemeinsam mit ihren Mitschwestern der Missionsbenediktinerinnen ein Fürsorgeprogramm für Aids-Waisen, kauft Lebensmittel und Medikamente ein und verteilt sie an die Bedürftigsten. Sie gründete damit das Sr. Leoni’s Care Center. Auffallend ist, dass etliche ehrenamtliche Helfer mitarbeiten, z. B. Essen kochen und an alte Leute verteilen. Wir gehen noch kurz in die Pfarrkirche nebenan, dann verabschieden wir uns von der Schule. Die Schüler singen einige Lieder für uns, bedanken sich sehr herzlich für unser Kommen und wünschen uns Gottes Segen.

Dann geht es in die Stadt zurück. Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt, einige gehen einkaufen und Günter und Hannelore wollen noch die St. Barbara-Kirche besuchen. Sie wurde 1913 erbaut und ist damit das älteste Gebäude der Stadt. Die Kirche ist abgeschlossen, aber die beiden haben Glück, denn eine Schwester kommt vorbei und schließt für sie die Kirche auf. Anschließend bleibt noch etwas Zeit für einen Besuch des Museums. Bilder und Exponate der verschiedenen Volksgruppen des Landes, der deutschen Vergangenheit sowie viele Mineralien sind zu sehen.

Im „Minen Hotel“ essen wir zu Mittag. Anschließend fahren wir zur Otjiwa Safari Lodge, wo wir in der dazugehörigen Mountain Lodge, die auf einer Anhöhe liegt, die letzten beiden Nächte in Namibia verbringen. Wir sind die einzigen Gäste in den fünf Bungalows – sozusagen haben wir die Lodge für uns allein. Wir genießen das wunderschöne Ambiente, einige den Swimming-Pool, den herrlich weiten Blick über die Savannenlandschaft und auf das Waterberg-Plateau, die Natur und das Konzert der Vögel. Ein köstlich zubereitetes Abendessen beschließt diesen wunderschönen Tag.

Donnerstag, 15. Oktober

Kurz nach Sonnenaufgang fahren wir im offenen Geländewagen durch den riesigen Park und sehen unter anderem Giraffen, Antilopen, Buschböcke, Nashörner und Streifengnus. In einem extra gesicherten Landstück können wir ganz nahe an einer Wassertränke und Futterstelle verschiedene Antilopen, unter anderem auch die stattlichen Säbelantilopen, beobachten, die hier zum Verkauf gehalten werden. Mit besonderer Genehmigung darf der Grundstücksbesitzer auf seinem riesigen Areal schießwütige und zahlungsbereite „Jäger“ zur Jagd einladen.

Nach dem Frühstück genießen wir diesen Tag der Ruhe und lassen einfach nur die Seele baumeln. Nun wird die „Erholungsreise“ der Ankündigung gerecht!

Am Abend erfreuen wir uns eines traumhaften Sonnenuntergangs, dazu gibt es Sekt und Häppchen und anschließend ein exzellentes Abendessen. Unter einem wunderschönen Sternenhimmel beschließen wir in fröhlicher Runde mit Dankes- und Abschiedsreden für Rodger diesen herrlichen Tag.

Freitag, 16. Oktober

Heute heißt es zum letzten Mal, die Koffer in den Bus zu packen. Unsere Reise geht zu Ende. Zu Mittag sind wir wieder in Windhoek, diesmal fahren wir auf der B1, einer asphaltierten, stark befahrenen Straße Richtung Hauptstadt. Trotzdem sieht man an den Straßenrändern die Schilder, die vor Warzenschweinen, Elefanten, Springböcken usw. warnen. Einige Male passieren wir sogar Radarkontrollen. In Windhoek angekommen kaufen wir in einem riesigen Souvenirladen noch ein paar Sachen ein und sind dann in der „Kaiserkrone“ zum Mittagessen.

Am Nachmittag bringt uns Rodger zum Flughafen von Windhoek. Er fuhr uns gut und sicher zwei Wochen durch Namibia. Von ihm erfuhren wir so viel über das Land, die Menschen, die Tiere und die Natur. Nach dem herzlichen Abschiednehmen checken wir ein und fliegen wieder über Johannesburg der Heimat entgegen.

Samstag, 17. Oktober

Pünktlich landen wir am Morgen in München und nach kurzem Aufenthalt fliegen wir weiter mit Lufthansa nach Düsseldorf, wo wir abgeholt werden.

Zwei wunderbare, unvergessliche Wochen liegen hinter uns. Eine tolle Gemeinschaft, ein kompetenter, kluger, umsichtiger, sozial eingestellter, immer gut aufgelegter Rodger, viel Sonne und Hitze, Abenteuer mit der Autopanne, erlebnisreiche Tage im Etosha-Nationalpark, die unvergleichbare Natur in der Namib und das Kennenlernen anderer Menschen und Kulturen machen uns reicher an Erfahrungen, die uns immer in Erinnerung bleiben werden.

Wer einmal den Sand Afrikas in seinen Schuhen hat, wird ihn ein Leben lang nicht los!


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